Micron Document
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Westliche Honigbiene
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Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera), auch EuropĂ€ische Honigbiene, meist einfach Biene oder Honigbiene genannt, gehört zur Familie der Echten Bienen (Apidae), innerhalb derer sie eine Vertreterin der Gattung der Honigbienen (Apis) ist. Ihr ursprĂŒngliches Verbreitungsgebiet war Europa, Afrika und Vorderasien. Da dieses Insekt Honig produziert, wird sie durch den Menschen genutzt (Imkerei) und zĂ€hlt zu den wichtigsten Nutztieren in der Landwirtschaft. Die Westliche Honigbiene wurde weltweit verbreitet, unter anderem wĂ€hrend der Kolonialisierung anderer Kontinente durch die EuropĂ€er. Wie einige andere Bienenarten ist auch sie ein staatenbildendes Fluginsekt. In Asien kommen acht weitere Arten der Gattung Honigbienen vor. Die bekannteste davon ist die Östliche Honigbiene (Apis cerana), der ursprĂŒngliche Wirt der Varroamilbe (Varroa destructor), die als der bedeutsamste HonigbienenschĂ€dling weltweit gilt.cite-ref-1[1]

Contents

‱ Unterarten
‱ Geschichte
‱ FlĂŒgel
‱ Stachel
‱ Beine
‱ Augen
‱ Vergleich
‱ Tanzsprache
‱ Umgang
‱ Genom
‱ Siehe auch
‱ Videos
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Unterarten

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Hauptartikel

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Rassen der Westlichen Honigbiene

Es gibt etwa 25 Unterarten der Apis mellifera, die ĂŒblicherweise als Bienenrassen bezeichnet werden. Dies weil gerade die vorwiegend in der Imkerei gehaltenen europĂ€ischen Unterarten zĂŒchterisch bearbeitet wurden und inzwischen weltweit verbreitet sind. Daher ist in der Bienenwissenschaft der Begriff Rasse auch fĂŒr Unterarten gebrĂ€uchlich. Die europĂ€ischen Rassen haben sich in der heutigen Form erst nach der letzten Eiszeit bei der Neubesiedlung herausgebildet. Die Rasse Dunkle EuropĂ€ische Biene (Apis mellifera mellifera) verbreitete sich dabei in den gemĂ€ĂŸigten und kĂŒhleren Klimazonen Europas, so zum Beispiel in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit den Alpen als natĂŒrliche Barriere gegen wĂ€rmere sĂŒdlichere LĂ€nder. In der Imkerei werden heute am hĂ€ufigsten die KĂ€rntner Biene (Apis mellifera carnica), die Zuchtrasse Buckfastbiene und in sĂŒdlicheren LĂ€ndern die Italienische Biene (Apis mellifera ligustica) verwendet. In Nord-, Mittel- und SĂŒdamerika nimmt die Verbreitung der wegen ihrer AggressivitĂ€t nicht geschĂ€tzten Afrikanisierten Honigbiene zu.

Die Unterarten der Westlichen Honigbiene können in Gruppen unterteilt werden (weitgehend nach Ruttnercite-ref-2[2]):

‱ dunkle Honigbienen aus Nord- und Westeuropa sowie Nordafrika
‱ Carnica-Gruppe
‱ Bienen des tropischen Afrikas
‱ Bienen des Vorderen Orients
‱ die mittelasiatische Apis mellifera pomonella

Dazu kommen Zuchtrassen wie die Buckfastbiene und die sich inzwischen in Amerika selbsttÀtig verbreitende Afrikanisierte Honigbiene.

Geschichte

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Hauptartikel

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Geschichte der Imkerei

Die Honigbiene spielt seit jeher eine wichtige Rolle innerhalb vieler Ökosysteme und unterstĂŒtzt die BestĂ€ubung einer Vielzahl von Pflanzen (→Symbiose).

Schon seit mehreren tausend Jahren nutzt der Mensch die Honigbiene in Europa. So entstand die Felsmalerei aus Cuevas de la Araña, die eine frĂŒhe Form der Bienennutzung zeigt, etwa 10.000 bis 6.000 vor Chr.cite-ref-3[3]

Obwohl spĂ€testens seit dem 7. Jahrtausend v. Chr. Bauern des Neolithikums Bienen gezielt gehalten habencite-ref-4[4], wurde die Art bis heute nicht wirklich domestiziert. Eine Zucht von Honigbienen wurde dadurch erschwert, dass die erwĂŒnschten Eigenschaften, wie hoher Honigertrag, Leistungen des gesamten Volkes sind, das nicht genetisch identisch ist, wĂ€hrend fĂŒr die Zucht ausschließlich Königinnen beeinflusst werden. Durch die mehrfache Paarung abseits des Stocks war es zudem fast unmöglich, die vĂ€terliche Erblinie zu beeinflussen. Eine tatsĂ€chliche Bienenzucht, mit gezielter Auswahl von Königinnen, begann nicht frĂŒher als im 19. Jahrhundert.cite-ref-5[5] Die Bienenzucht vorher beruhte auf der Auswahl geeigneter StĂ€mme oder Rassen, die sich im Verbreitungsgebiet der Wildform mit dieser rĂŒckkreuzten und genetisch kaum von ihr unterscheidbar sind. Dies hat auch Vorteile: Anders als bei anderen Haustierencite-ref-6[6] kam es bei der Bienenhaltung nie zu einem genetischen Flaschenhals.cite-ref-7[7]

Vor ca. 7000 Jahren begann die gezielte Haltung von Bienen in Zentralanatolien, und auch im Alten Ägypten gab es vor etwa 4000 Jahren eine hochentwickelte Bienenhaltung. Das Zeichen der Biene wurde zum Machtzeichen der Pharaonen in UnterĂ€gypten. In der Hieroglyphenschrift wird Herrschaft durch die Bienenkönigin symbolisiert. Der König wurde durch die Bienenkönigin dargestellt, einfache Arbeiter dagegen als Bienen. Wahrscheinlich betrieben die alten Ägypter bereits vor 2000 v. Chr. Bienenzucht. Beuten bestanden dort aus geflochtenem Rohr, mit Lehm verschmiert, oder aus gebranntem Ton, wie sie auch noch heute in einigen Gegenden ĂŒblich sind.

In der Bibel wird an vielen Stellen von Honig gesprochen. Johannes der TĂ€ufer hat sich von Heuschrecken und wildem Honig ernĂ€hrt. Im Talmud sind bereits Kenntnisse ĂŒber Entwicklung und das SchwĂ€rmen von Bienen enthalten. Es wird von verschiedenen Bienenwohnungen aus Stroh und Rohrgeflecht berichtet.

In Griechenland wurden um 600 v. Chr. die ersten Gesetze betreffend Bienen erlassen. Auch das heutige Bienenrecht hat eine lange Tradition und ist im BGB verankert. Bienensegen sollten den Bienenschwarm zÀhmen. Erst in den letzten 300 Jahren wird die Biene auch von Biologen erforscht und ihr Verhalten untersucht.

Als gemeine Figur steht die Biene in Wappen fĂŒr Fleiß, Arbeitseifer und Ordnung. Papst Urban VIII. trug drei Bienen als Symbole fĂŒr Arbeit, Sparsamkeit und SĂŒĂŸe in seinem Wappen.

Körperbau

Die KörperlĂ€nge der Tiere betrĂ€gt 15 bis 18 Millimeter bei der Königin, 13 bis 16 Millimeter bei Drohnen und 11 bis 13 Millimeter bei Arbeiterinnen. Die Arbeiterinnen erreichen ein Durchschnittsgewicht von 82 Milligramm, die Königin dagegen ein Gewicht von 250 bis 300 Milligramm. Diese Zahlenwerte gelten fĂŒr die fast ausschließlich weltweit in der Imkerei gehaltenen europĂ€ischen Rassen der Westlichen Honigbiene, einige Rassen aus den wĂ€rmeren Klimaregionen Afrikas sind dagegen kleiner. Man kann die Königin leicht an ihrer GrĂ¶ĂŸe und dem verlĂ€ngerten Hinterleib erkennen. Die Drohnen unterscheiden sich von den Arbeiterinnen vor allem durch ihre deutlich grĂ¶ĂŸeren Facettenaugen.

Die Grundfarbe der Westlichen Honigbiene ist braun, wobei bei einigen Rassen vor allem die ersten Hinterleibssegmente auch gelblich, orange ĂŒber rot bis lederbraun gefĂ€rbt sein können. Am hinteren (basalen) Bereich besitzen die Segmente des Hinterleibs (Abdomen) jeweils eine helle, filzartige Haarbinde, die die helle und dunkle StreifenfĂ€rbung bewirkt. Anders als oft z. B. in KinderbĂŒchern dargestellt, ist der Hinterleib der Honigbiene also nicht schwarz-gelb gefĂ€rbt, im Unterschied zur schwarz-gelben WarnfĂ€rbung der Wespe. Der Brustteil (Thorax) der Tiere ist gelbbrĂ€unlich behaart.

FlĂŒgel

Die Radialzelle des VorderflĂŒgels ist schmal und sehr langgezogen und hat fast parallele Seiten mit nur einer leichten KrĂŒmmung. Die Bienen besitzen krĂ€ftige FlĂŒgelantriebsmuskeln, die fĂŒr die FlĂŒgelbewegungen sorgen. Daneben können die Vibrationen der Thoraxmuskeln zur Temperaturregulierung im Stock genutzt werden. Es wird ĂŒber sie entweder WĂ€rme erzeugt, oder aber die Bienen setzen das FlĂŒgelfĂ€cheln zur Ventilation ein. Mit Hilfe ihrer Flugmuskulatur können die Bienen auch Laute erzeugen, was allerdings recht selten passiert. Beispiele dafĂŒr sind das sogenannte Tuten und Quaken junger Königinnen kurz vor und nach dem SchlĂŒpfen und das „Bepiepen“ beim Trachttanz, wenn die Trachtquelle versiegt ist. An den beiden HinterflĂŒgeln der Honigbiene sind kleine Harken (siehe Bild). Mit ihnen lassen sich die vier einzelnen FlĂŒgel zu einem großen FlĂŒgelpaar zusammenkoppeln, womit die Biene den Auftrieb erhöhen kann.

Stachel

Königin und Arbeiterinnen besitzen als weibliche Tiere einen Giftstachel. Zu Gunsten des Eierlegens hat sich jedoch bei der „Brutmaschine“ Königin der Stachelapparat zurĂŒckgebildet. Dieser ist somit nur bei den Arbeiterinnen voll ausgebildet. Der Giftstachel der Honigbiene ging in der Entwicklungsgeschichte aus einem Legestachel hervor. Die meisten Bienenarten besitzen ebenfalls einen Giftstachel zur Verteidigung. Der Stachel der Arbeiterinnen hat als Besonderheit kleine Widerhaken. Wenn der Stachel gegen Insekten eingesetzt wird, bleibt er im Gegensatz zu SĂ€ugetierhaut nicht stecken.

Beine

Die Beine der Honigbienen sind wie die anderer Insekten gegliedert. Die Hinterbeine der Arbeiterinnen spielen wie auch bei vielen anderen Bienenarten beim Pollensammeln eine große Rolle, weswegen das erste Tarsenglied stark verbreitert ist. An seiner Innenseite trĂ€gt es einen dichten Besatz von Haarborsten, das so genannte „BĂŒrstchen“, mit dessen Hilfe die Biene hĂ€ngengebliebenen Pollen von ihrem behaarten Körper oder ihren anderen Beinen abbĂŒrsten kann. Ein Pollenkamm am Ende jedes Unterschenkels hilft, den BlĂŒtenstaub aus dem BĂŒrstchen des jeweils anderen Hinterbeines herauszukĂ€mmen. Der Unterschenkel ist außen mit langen Haaren besetzt, die eine flache Vertiefung, das „Körbchen“, umsĂ€umen. Mit Hilfe eines Fersensporns wird der Pollen durch eine Spalte zwischen Fuß und Unterschenkel aus dem Pollenkamm heraus und auf die Körbchenseite des Unterschenkels gedrĂŒckt. Im Körbchen können dann grĂ¶ĂŸere Pollenmengen in Form von „Höschen“ gesammelt und zum Stock transportiert werden.

Mundwerkzeuge und Verdauung

Die Honigbiene hat wie alle Bienen leckend-saugende Mundwerkzeuge. Neben den Mandibeln besitzen sie einen SaugrĂŒssel, der aus den miteinander verwachsenen Maxillen und dem Labium besteht. Beim Nektarsaugen gelangt der Nektar, nachdem er den RĂŒssel passiert hat, in die Speiseröhre und anschließend in den Honigmagen, der dem eigentlichen Darm vorgeschaltet ist. Dieser Honigmagen (Synonyme: Honigblase, Sozialmagen) dient als BehĂ€lter, aus dem andere Stockmitglieder mit Nahrung versorgt werden können, indem die Arbeiterin den Nektar wieder erbricht. Ein Teil des dort gehorteten Nektars dient aber auch der Eigenversorgung. Über ein ventilartiges VerbindungsstĂŒck ist der Honigmagen mit dem Bienendarm verbunden. Wird das Ventil geöffnet, fließt Nektar in den Darm und kann dort verdaut werden.

Augen

Die Facettenaugen der Honigbiene sind mit feinen HĂ€rchen ĂŒberzogen (siehe Bilder). Das unterscheidet sie eindeutig von fast allen Wildbienen. Die Augen von Arbeiterinnen und Königinnen sind etwa gleich groß, die der Königinnen wirken kleiner aufgrund von deren höherer KörpergrĂ¶ĂŸe. Diejenigen der Drohnen sind erheblich grĂ¶ĂŸer. Bei Arbeiterinnen wurden ĂŒber 5000, bei den Königinnen knapp 4500 Facetten (Einzelaugen, Ommatidien) gezĂ€hlt, bei den Drohnen sind es ungefĂ€hr 10000.cite-ref-8[8] Außer den Komplexaugen besitzen Bienen drei Einzelaugen (Ocellen) auf der Stirn zwischen diesen.

Sozialstruktur

Honigbienen sind Insekten und lassen sich domestizieren und gradweise auch zÀhmen. Eine erfolgreiche Haltung erfordert, den Bien zu verstehen.

PhÀnotypen

Im Bienenstock gibt es drei Typen von Bienen, die sich in GrĂ¶ĂŸe und Körperform unterscheiden. Die Königin ist etwas grĂ¶ĂŸer und hat einen langen und schlanken Hinterleib, der die FlĂŒgelspitzen weit ĂŒberragt. Sie ist normalerweise das einzige voll entwickelte Weibchen im ganzen Stock, sozusagen die Mutter des gesamten Bienenstaates. Die große Masse des Volkes wird von den Arbeiterinnen gebildet, zigtausend kleineren Weibchen, deren Ovarien im Vergleich zur Königin viel kleiner und wesentlich weniger leistungsfĂ€hig, aber dennoch voll funktionsfĂ€hig ausgebildet sind.

Von einer gesunden Königin wird fortlaufend eine Botenstoffmischung, die sogenannte Königinnensubstanz (englisch: Queen Mandibular Pheromone – QMP), aus ihren MandibeldrĂŒsen in den Stock abgegeben. Das in dieser Mischung enthaltene Pheromon namens 9-Oxo-trans-2-DecensĂ€ure unterdrĂŒckt bei den Arbeiterinnen die Funktion ihrer Ovarien und damit eine mögliche Eiablage. Aus unterschiedlichen GrĂŒnden kommt es bei der einen oder anderen Arbeiterin gelegentlich dazu, dass die Pheromone der Königin nicht wie beabsichtigt wirken und diese Arbeiterin dann Eier legt. Deshalb kontrollieren sich alle Arbeiterinnen stĂ€ndig gegenseitig, ob eine von ihnen doch Eier legt, welche dann von den anderen Arbeiterinnen oder der Königin unverzĂŒglich abgetötet werden.cite-ref-9[9]

Außerdem sorgt diese Botenstoffmischung fĂŒr eine VerĂ€nderung des Lernverhaltens der jungen Arbeiterinnen. Als frisch geschlĂŒpfte Bienen sind sie in ihren ersten Lebenstagen dafĂŒr zustĂ€ndig, ihre Königin zu fĂŒttern und zu pflegen. Bei dieser TĂ€tigkeit sind sie hohen Dosen von QMP ausgesetzt, welches in erster Linie bewirkt, dass bei jungen Arbeiterinnen aversives Lernen verhindert wird. Sie entwickeln folglich keine Aggressionen untereinander und gegen ihre TĂ€tigkeit, und verrichten ihre Aufgabe friedlich und widerstandslos. Insbesondere verzichten sie dadurch auf den Einsatz ihres Stachels bei unangenehmen Erfahrungen im Bienenstock. Dagegen ist appetitives Lernen durchaus ausgeprĂ€gt, d. h. angenehme Reize fĂŒhren zu Lernerfahrungen. Mit fortschreitendem Alter der Bienen lĂ€sst der Einfluss der Pheromone zu ihrem Überlebensvorteil nach, da nun die Arbeiterinnen andere Aufgaben wie beispielsweise die Nahrungssuche ĂŒbernehmen mĂŒssen. Hierbei ist Lernen auch durch unangenehme Erfahrungen unbedingt erforderlich.cite-ref-10[10]cite-ref-11[11]

Zur Zeit, in der auch SchwĂ€rme möglich sind, etwa von April bis Juli, gibt es als dritten PhĂ€notyp auch noch ca. 500 bis maximal 2000 Drohnen im Bienenvolk. Diese sind grĂ¶ĂŸer als die Arbeiterinnen und fallen durch ihre plumpe, gedrungenere Körperform und ihre großen Augen auf. Sie besitzen als mĂ€nnliche Tiere keinen Giftstachel. Ihre Antennen sind darauf spezialisiert, den Pheromonduft von jungen Königinnen aufzunehmen, um sich dann hoch in der Luft (im Flug) mit diesen zu paaren, siehe auch Drohnensammelplatz.

Vergleich

| | Königin | Arbeiterin | Drohn |
|---|---|---|---|
| Ei ( „Stift“ ) | befruchtet | befruchtet | unbefruchtet |
| Geschlecht | ♀ weiblich | ♀ weiblich | ♂ mĂ€nnlich |
| Genom | diploid | diploid | haploid |
| Ablage in | Weiselzelle | Arbeiterinnenzelle | Drohnenzelle |
| FĂŒtterung | Königinnen- oder Weiselfuttersaft | Arbeiterinnenfuttersaft, spĂ€ter Mischfutter | Drohnenfuttersaft |
| Entwicklungszeit | Entwicklungszeit | Entwicklungszeit | Entwicklungszeit |
| ‱ Ei | ‱ 3 Tage | ‱ 3 Tage | ‱ 3 Tage |
| ‱ Larve | ‱ 5 Tage | ‱ 6 Tage | ‱ 7 Tage |
| ‱ Puppe | ‱ 8 Tage | ‱ 12 Tage | ‱ 14 Tage |
| (in Summe) | 16 Tage | 21 Tage | 24 Tage |
| Schlupfgewicht | etwa 200 mg | etwa 100 mg | etwa 200 mg |
| KörperlĂ€nge | 18–22 mm | 12–15 mm | 15–17 mm |
| Geschlechtsreife | etwa 7 Tage | keine | etwa 14 Tage |
| Lebensdauer | 3–4 Jahre | 4–7 Monate (im Winter ) 2–6 Wochen (im Sommer ) | 1–3 Monate |

Fortpflanzung

Die heute weltweit in der Imkerei gehaltenen Rassen der Westlichen Honigbiene leben in einem Staat, der als Maximum etwa zur Sommersonnenwende 40.000 bis 60.000 Bienen beherbergt. Die meiste Zeit des Jahres besteht das Bienenvolk nur aus Weibchen: aus der Königin, die als einzige Eier legt (bis zu 2000 StĂŒck am Tag), und aus den unfruchtbaren Arbeiterinnen, die Pollen und Nektar sammeln, die Larven aufziehen und den Stock verteidigen. Ab dem FrĂŒhsommer werden auch laufend einige hundert mĂ€nnliche Bienen (Drohnen) aufgezogen.

Die Drohnen entstehen durch Parthenogenese, indem die Königin unbefruchtete Eier legt. Allein durch die besondere Form der Königinnenzelle an der Bienenwabe und die unterschiedliche FĂŒtterung der Larven wird bestimmt, ob sich ein befruchtetes Ei zu einer Königin oder Arbeiterin entwickelt. Die Differenzierung der Larve zur Königin wird vor allem dadurch bestimmt, dass sie in weit grĂ¶ĂŸerem Maße als die Arbeiterinnenlarven den sogenannten Futtersaft GelĂ©e royale erhĂ€lt. Königinnen leben mehrere Jahre, wĂ€hrend die Lebensspanne von Arbeiterinnen einige Wochen oder Monate betrĂ€gt.

Erreicht ein Bienenvolk ab etwa Mai eine gewisse GrĂ¶ĂŸe, so schwindet das Raumangebot im Stock (beispielsweise in der Magazin-Beute). Sinkt zudem die Konzentration bestimmter Pheromone unter einen Schwellenwert, so werden die Aufzucht neuer Königinnen und der Schwarmtrieb ausgelöst. Das Bienenvolk teilt sich, indem etwa eine Woche, bevor die erste neue Königin schlĂŒpft, die HĂ€lfte des Volkes mit der alten Königin ausschwĂ€rmt und eine neue Kolonie grĂŒndet.

Eine junge Königin fliegt im Alter ab sechs Tagen bei geeignetem, sonnigem Wetter mehrmals zu einem Hochzeitsflug aus. Dabei paart sie sich mit insgesamt bis zu 20 Drohnen anderer Staaten hoch in der Luft. Der Drohn stirbt bei der Kopulation. Die befruchtete Königin fliegt zum Stock zurĂŒck.

Gegen Ende der Brutsaison werden die im Volk verbliebenen Drohnen von den Arbeiterinnen aus dem Stock vertrieben oder mit Stichen getötet, was Drohnenschlacht genannt wird.cite-ref-12[12]

Ein nachgewiesener Vorteil der PromiskuitĂ€t der Bienenkönigin ist die damit erreichte Steigerung der genetischen Vielfalt neuer freier Bienenvölker. Diese bewirkt, dass solche Völker im Vergleich zu experimental erzeugten genetisch einheitlichen Bienenvölkern mehr Nachwuchs aufziehen, mehr Futter sammeln und grĂ¶ĂŸere VorrĂ€te anlegen, wodurch in der Regel mindestens ein Viertel dieser Völker auch den ersten Winter ĂŒberstehen. Genetisch einheitliche Bienenvölker hatten dagegen ihre VorrĂ€te spĂ€testens im Dezember aufgebraucht und verhungerten anschließend.cite-ref-13[13]

SchwÀrmen und Nistplatzsuche

Bienen grĂŒnden neue Völker, indem ein Schwarm, ein Teil des bestehenden Volks, auszieht und sich ein neues Zuhause sucht.cite-ref-14[14] Auf welche Weise Bienen das tun, wurde durch Martin Lindauer,cite-ref-15[15] einen SchĂŒler von Karl von Frisch, erstmals erforscht. Thomas Dyer Seeley entdeckte spĂ€ter das komplexe demokratische Entscheidungsprinzipcite-ref-16[16] bei der Einigung des Schwarms fĂŒr einen neuen Nistplatz.

Die Schwarmzeit ist im FrĂŒhsommer, damit genĂŒgend Zeit fĂŒr die Suche nach einem geeigneten Platz und fĂŒr das Anlegen der WintervorrĂ€te ist. Der Bienenschwarm, der sogenannte Vorschwarm, das sind etwa 6000 bis 14.000 Bienen beziehungsweise zwei Drittel eines alten Bienenvolks,cite-ref-17[17] verlĂ€sst mit der alten Königin, die seit einiger Zeit nicht mehr gefĂŒttert wurde, sein Volk. Die Schwarmbienen haben sich zuvor stark mit Honig gesĂ€ttigt und waren bis dahin sehr inaktiv.cite-ref-18[18] Die Muskulatur der auszugswilligen Bienen beginnt zu zittern, ihre Flugbereitschaftstemperatur steigt auf 35 °C. Bis heute ist nicht bekannt, welche Reize bei den aufbruchswilligen Bienen das Signal auslösen, dass sie zusammen plötzlich aufbrechen.cite-ref-19[19] Der Schwarm lĂ€sst sich nach Auszug in der NĂ€he als Traube fĂŒr wenige Stunden nieder. Oft dienen BĂ€ume als RaststĂ€tte. Wenige hundert Kundschafterinnen, etwa 3–5 Prozent des Schwarms,cite-ref-20[20] erkunden die nĂ€here Umgebung nach einem neuen optimalen Nistplatz. Sie teilen den anderen Bienen in der Schwarmtraube mehrere geeignete PlĂ€tze durch SchwĂ€nzeltanz mit, den sie auf dem RĂŒcken der wartenden Bienen ausfĂŒhren. ZunĂ€chst weisen die Kundschafterinnen auf verschiedene geeignete Orte in einem Radius von bis zu 5 Kilometern hin. Diese Orte werden von den Kundschafterinnen nach sechs bis zehn Kriterien bewertet. Unter den Kriterien sind neben den genannten auch die Höhe des Eingangs ĂŒber dem Boden, eventuell vorhandene Waben eines frĂŒheren Bienenschwarms, Feuchtigkeit und die Entfernung vom bisherigen Bienenvolk.cite-ref-21[21] Mit Dauer und IntensitĂ€t des SchwĂ€nzeltanzes wird den Bienen im Schwarm die QualitĂ€t jedes potenziellen Nistplatzes mitgeteilt. Besonders eifrige Kundschafterinnen (Spurbienen) veranlassen die anderen, ebenfalls ihr Angebot zu ĂŒberprĂŒfen. Nur selten können die Bienen des Schwarms sich nicht auf einen Platz einigencite-ref-22[22] oder verlieren ihre Königin, die sie aber in der Regel wieder finden. Es kommt vielmehr in der zur VerfĂŒgung stehenden Zeit von wenigen Tagen, in denen die Bienen keinerlei Nahrung zu sich nehmen, zu einem komplizierten, optimalen AbwĂ€gungs- und Entscheidungsprozess.

Weist zum Schluss eine große Zahl von Kundschafterinnen auf denselben Ort, wird im Schwarm ein bis heute biochemisch nicht nĂ€her analysierter Schwellenwert oder Quorum ĂŒberschritten.cite-ref-23[23]cite-ref-24[24] Das Schwellenwertprinzip bei der Nistplatzwahl konnte von Seeley mathematisch simuliert werden.cite-ref-25[25] Ist der Schwellenwert erreicht, bricht der Schwarm zusammen mit der Königin auf. Die Königin selbst hat keine Mitwirkung an der Schwarmentscheidung. In der Schwarmwolke weisen Spurbienen den Weg, indem sie immer wieder im Schwarm nach vorne fliegen und außen am Rand langsam wieder zurĂŒck. In der NĂ€he des Ziels fliegen sie zum Eingang und sterzeln, sie weisen also dem Schwarm durch Duftstoffe den Weg.

Mit dem gesamten geschilderten Prozess, einer Kombination aus individueller Intelligenz (Bewertung eines Nistplatzes durch einzelne Kundschafterinnen) und kollektiver Intelligenz oder Schwarmintelligenz (Entscheidung des Schwarms), wird in einem demokratischen Verfahren durch wenige ReprĂ€sentanten des Schwarms in kurzer Zeit ein fĂŒr den ganzen Schwarm bestmöglicher und von allen akzeptierter Konsens fĂŒr die neue Behausung gefunden und diese bezogen.cite-ref-26[26]

Aufbau des Nests

Bienen bauen ihre Waben aus Wachs, das sie in Form kleiner Schuppen aus den WachsdrĂŒsen ihrer Bauchringe ausschwitzen. In den Waben ziehen sie ihren Nachwuchs auf und lagern Honig sowie Pollen. Der Honig dient als Energiequelle und liefert dem Bienenkörper sozusagen das Heiz- und Betriebsmaterial. Der eiweißreiche BlĂŒtenstaub bietet dem wachsenden Bienenkörper die Baustoffe. Der Honig wird von den Bienen entweder aus dem Nektar von BlĂŒten oder aus Honigtau erzeugt. Honigtau kann von Sekreten lebender Pflanzen stammen oder von Sekreten, die von Insekten abgesondert wurden, die auf diesen Pflanzenteilen leben (Beispiel: Tannenhonig).

Da in einem Bienenstock die Insekten auf engstem Raum bei etwa 35 °C zusammenleben, herrschen dort im Grunde ideale Bedingungen fĂŒr die Ausbreitung von Krankheiten. Deshalb dient ein von den Bienen in erster Linie aus Baumharz und Pollen selbst hergestellter Kitt (Propolis) mit seiner Verwendung zum Abdichten von kleinen Öffnungen, Spalten und Ritzen dazu, Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen, die in den Stock eingeschleppt werden könnten oder vorhanden sind, in ihrer Entwicklung zu hemmen oder sogar abzutöten. Hierzu werden OberflĂ€chen, beispielsweise auch das Innere der Wabenzellen fĂŒr die Brut, mit einem hauchdĂŒnnen Propolisfilm ĂŒberzogen.

ErnÀhrung und Stoffwechsel

Honigbienen ernĂ€hren sich, wie auch alle anderen Bienenarten, normalerweise rein vegetarisch. Hierzu fliegen die schon etwas Ă€lteren Arbeiterinnen des Bienenstocks aus und sammeln Nektar und Pollen an BlĂŒtenpflanzen. Der Nektar wird im Honigmagen und der Pollen in den sogenannten Körbchen, einer speziellen Vorrichtung an den Hinterbeinen, heimgebracht und direkt im Brutnest an jĂŒngere Arbeiterinnen zur ErnĂ€hrung der Brut verteilt. Entsteht hierbei ein Überschuss – der Imker spricht dann von einer Tracht –, so wird der Pollen als Eiweißquelle neben und der Nektar ĂŒber dem Brutnest in Wabenzellen eingelagert. Der Nektar wird dabei durch Wasserentzug eingedickt, wodurch er haltbar wird. Es entsteht schließlich eine ĂŒbersĂ€ttigte, stark osmotisch wirkende und sirupartige Zuckerlösung, die nicht mehr gĂ€rfĂ€hig ist, der Honig. Der Pollen wird mit etwas Nektar versehen und macht eine MilchsĂ€uregĂ€rung durch.

Ab einem bestimmten Alter haben sich bei den mit der Brutaufzucht beschĂ€ftigten Arbeiterinnen sogenannte FuttersaftdrĂŒsen (Hypopharynx-DrĂŒsen) entwickelt. Sie können damit aus Pollen und Nektar eine eiweißreiche, milchartige NĂ€hrlösung erzeugen. Diese spucken sie in die Brutzellen mit den ganz jungen Larven, die dann regelrecht darin zu schwimmen scheinen. Nach drei Tagen wird die Kost dann allerdings auf Nektar und Pollen umgestellt. Nur Königinnenlarven und die Königin selbst werden weiterhin ausschließlich mit diesem speziellen Saft, der deswegen auch GelĂ©e royale genannt wird, ernĂ€hrt. Erwachsene Bienen ernĂ€hren sich nur noch von Nektar und etwas Pollen.

In Zeiten, in denen die Sammlerinnen witterungsbedingt nicht ausfliegen können, greift das Bienenvolk auf seine eingelagerten VorrĂ€te zurĂŒck. Dabei kann nur der Pollen direkt verwendet werden. Der Honig muss zunĂ€chst wieder verflĂŒssigt, also in einen nektarĂ€hnlichen Zustand gebracht werden. Bei der im Muskelgewebe stattfindenden Verbrennung der vorwiegend im Honig enthaltenen Zuckeranteile entsteht unter anderem Wasser, das zum VerflĂŒssigen weiterer VorrĂ€te verwendet werden kann. Falls aber Brut zu ernĂ€hren ist, reicht dies oft nicht aus. Es mĂŒssen zusĂ€tzlich Sammlerinnen ausfliegen, um in ihren HonigmĂ€gen Wasser (zum Beispiel von einem GewĂ€sser in der NĂ€he) herbeizuschaffen. Bei besonders widrigen WitterungsverhĂ€ltnissen kann nur ein kleiner Teil dieser Arbeiterinnen heimkehren.

Aufgrund von schlechter Witterung, die die Bienen am Ausfliegen hindert, oder durch mangelndes Angebot an Pollen in der Umgebung kann es passieren, dass die PollenvorrĂ€te im Bienenstock ausgehen. In so einem Fall werden einige Larven getötet und gefressen, um Protein fĂŒr die Aufzucht der anderen Larven zu beschaffen.cite-ref-27[27] Dabei werden zunĂ€chst die jĂŒngsten Larven verwertet und die Ă€ltesten Larven durchgebracht.cite-ref-28[28]

Am Ende des Winters oder im zeitigen FrĂŒhjahr kommt es an einem milden Tag mit einer Lufttemperatur von mindestens 10 °C um die Mittagszeit zum Reinigungsflug. Dabei entledigen sich die Bienen ihrer Exkremente, die sich in ihrer Kotblase wĂ€hrend der wochen- oder monatelangen Winterruhe angesammelt haben. Da Bienen im Bienenstock wegen der Verbreitung von Krankheitserregern nicht koten, ist der Reinigungsflug die einzige Möglichkeit der Entleerung.

Sehr energieaufwĂ€ndig ist das Fliegen. Der „Treibstoff“ hierzu ist der zuckerhaltige Nektar oder der wiederverflĂŒssigte Honig. Eine Honigbiene der in Europa gehaltenen Rassen Carnica oder Buckfast kann mit vollem Honigmagen gestartet etwa acht Kilometer weit fliegen. Solche Strecken legen die Sammlerinnen allerdings aus EffizienzgrĂŒnden nur sehr selten zurĂŒck. Der ĂŒberwiegend genutzte Bereich um ein im GelĂ€nde aufgestelltes Bienenvolk hat nur etwa einen Radius von einem Kilometer.

Eine Besonderheit bei den Honigbienen ist, dass sie in der HĂ€molymphe als Energielieferant den Einfachzucker Glucose haben, wie auch die SĂ€ugetiere in ihrem Blut. Die meisten anderen Insekten haben dagegen den Zweifachzucker Trehalose in der HĂ€molymphe. Als Folge davon sind die Honigbienen auch nicht als typisch wechselwarm zu bezeichnen. Sie erzeugen als Bienenvolk (Superorganismus) in der Vegetationszeit (Vorhandensein von Brut) eine konstante Temperatur von 35 °C. Bei einem Wert unter 10 °C erstarren sie und sterben ab. Andere Insekten dagegen erstarren erst bei noch tieferen Temperaturen und sind durch die andere Zusammensetzung ihrer HĂ€molymphe wie durch ein Frostschutzmittel geschĂŒtzt.cite-ref-29[29]

Bedeutung der Honigbienen

Die Honigbiene gilt als bekanntester BestĂ€uber, steht in der Liste der wichtigsten deutschen Nutztiere auf Platz 3cite-ref-30[30] und wurde lange Zeit auch als wichtigster BestĂ€uber bezeichnet. Neuere Forschungen haben allerdings ergeben, dass der wichtigste Garant fĂŒr eine sichere BestĂ€ubung von Wild- und Kulturpflanzen ein gesunder Honigbienenbestand in Kombination mit arten- und individuenreichen Gemeinschaften von Wildbienen, Schwebfliegen und anderen WildbestĂ€ubern ist. Außerdem wurde belegt, dass der Samen- und Fruchtansatz der Pflanzen besser ist, je mehr verschiedene BestĂ€uber-Arten eine BlĂŒte besuchen. Die natĂŒrlichen BestĂ€uber arbeiten nicht nur doppelt so effektiv in der BestĂ€ubung wie Honigbienen, sie erbringen dank der großen Vielfalt an Arten mit unterschiedlichen BlĂŒtenprĂ€ferenzen, Flugzeiten und/oder WitterungsabhĂ€ngigkeiten auch den Großteil der BestĂ€ubungsleistung. 28 verschiedenen Pflanzengattungen bzw. 22 verschiedenen Pflanzenfamilien können von der Honigbiene erst gar nicht bestĂ€ubt werden, darunter u. a. die Tomate. Die Honigbiene ergĂ€nzt also die wilden BestĂ€uber und sorgt in Kombination mit ihnen fĂŒr bessere ErtrĂ€ge.

Insgesamt sind 78 Prozent aller BlĂŒtenpflanzenarten der gemĂ€ĂŸigten Breiten fĂŒr ihre BestĂ€ubung auf Insekten angewiesen. Von den 109 wichtigsten Kulturpflanzen sind 87 Arten bzw. 80 Prozent der Arten vollstĂ€ndig von tierischen BestĂ€ubern abhĂ€ngig. Der wirtschaftliche Wert der gesamten BestĂ€ubungsleistung in der Landwirtschaft wird weltweit auf 153 Milliarden Euro pro Jahr geschĂ€tzt.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32]

Honigbienen können aber auch fĂŒr Wildbienen eine deutliche Konkurrenz darstellen, was insbesondere in StĂ€dten von Bedeutung sein kann.cite-ref-33[33]cite-ref-34[34]

Vom Menschen genutzte Produkte der Honigbiene sind neben Honig auch Bienenwachs, Pollen, Bienengift, Gelée royale und Propolis sowie der aus Honig gewonnene Met.

Die Drohnenlarven sind essbar, weshalb Honigbienen auch als Speiseinsekt gelten. Der EuropÀischen Kommission liegt derzeit ein Antrag zur Nutzung mÀnnlicher Larven der EuropÀischen Honigbiene als neuartiges Lebensmittel vor.cite-ref-35[35]

Orientierung

Bienen können im Gegensatz zum Menschen den roten Anteil des Farbspektrums nicht wahrnehmen, dafĂŒr aber einen Teil des ultravioletten Lichts. Zudem sehen sie das Licht polarisiert, was ihnen in Kombination mit dem tageszeitlichen Sonnenstand eine genaue Bestimmung der Himmelsrichtung ermöglicht. Wenn die Biene sich nicht bewegt, sieht sie mit ihren Facettenaugen relativ schlecht (vergleichbar mit einer Digitalkamera, die nur wenige Tausend Pixel hat). Dies Ă€ndert sich aber deutlich beim Flug. In dieser Analogie lĂ€uft jetzt im Gegensatz zum statischen Bild ein Film ab, mit vielen Bildwechseln pro Zeitspanne. Durch Interpolation wird die Bildauflösung verbessert.

Wenn Bienen schwÀrmen und sich das Volk an einen neuen Standort begibt, könnten sich die Tiere laut dem Forscher Jochen Pflugfelder nicht mehr an ihren alten Standort erinnern, dieser werde spontan aus ihrem Gehirn gelöscht. Die Bienen seien imstande, sich an einem neuen Standort innert Stunden zurechtzufinden. Diese OrientierungsfÀhigkeit können sich Wanderimker zunutze machen.cite-ref-36[36]

Neben dem Sehen ist der Geruchssinn der Bienen sehr gut ausgebildet, sodass davon auszugehen ist, dass die Bienen im Nahbereich vorwiegend durch diesen Sinn gelenkt werden. Schließlich spielen auch Pheromone eine Rolle, durch die zum Beispiel beim Hochzeitsflug der Bienenkönigin die Drohnen alarmiert werden. NĂ€heres zum Verhalten beim Hochzeitsflug siehe auch bei Drohnensammelplatz.

Kommunikation

Tanzsprache

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Tanzsprache

Zur VerstĂ€ndigung bedienen sich die Bienen unter anderem des sogenannten SchwĂ€nzeltanzes, der ebenso wie andere Sinnesleistungen der Bienen von dem spĂ€teren NobelpreistrĂ€ger Karl von Frisch erforscht wurde: Hierbei werden hauptsĂ€chlich neue Trachtquellen (Futterquellen) mitgeteilt, oder beim Schwarmvorgang (siehe Schwarmtrieb) Informationen ĂŒber mehr oder minder geeignete Nistmöglichkeiten geliefert, die dann zu einer Ortsentscheidung fĂŒhren.cite-ref-37[37]

Erforschung eines speziellen FlĂŒgelschlags

SpĂ€testens seit den 1950er Jahren wissen Wissenschaftler, dass Bienen ĂŒber FlĂŒgelschlĂ€ge GerĂ€usche von sich geben, die durch Vibrationen erzeugt werden. Stoßen zwei Bienen zusammen, geben sie durch einen speziellen FlĂŒgelschlag ein entsprechendes (fĂŒr Menschen nicht ohne Beschleunigungssensoren wahrnehmbares) GerĂ€usch von sich. Lange ging man davon aus, dass es sich dabei um eine Aufforderung zur Übergabe von Nahrung handelt, weil oft beobachtet wurde, dass Bienen genau dies nach dem Ertönen des GerĂ€uschs taten.cite-ref-newscientist-com-38-0[38]cite-ref-tierwelt-ch-39-0[39]

Mitglieder der Nottingham Trent University registrierten ĂŒber einen neunmonatigen Beobachtungszeitraum im Jahr 2017 in einem Umkreis von 3,5 Zentimeter um einen eingesetzten Beschleunigungssensor zwischen sechs bis sieben Mal jener GerĂ€usche pro Minute pro Biene, sodass die Forscher von den Theorien eines Warnsignals oder einer Aufforderung zur NahrungsĂŒbergabe abrĂŒckten. Gleichzeitig registrierten sie eine Zunahme jener Zusammenstoßsignale in der Nacht, bei Dunkelheit. Weiter schreiben die Forscher, dass die speziellen GerĂ€usche nach dem SchĂŒtteln und Klopfen eines Bienenstocks zugenommen hĂ€tten. Die Forscher gehen seit dem Studienergebnis davon aus, dass es sich bei dem GerĂ€usch, wenn eine Biene mit einer anderen zusammenstĂ¶ĂŸt, um einen Ausruf der Überraschung oder des Erschreckens handelt.cite-ref-newscientist-com-38-1[38]cite-ref-tierwelt-ch-39-1[39]

Thermoregulation der Honigbiene

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Thermoregulation

Temperaturbereiche

Die Honigbiene benötigt eine Körpertemperatur von 35 °C, um fliegen zu können.cite-ref-40[40] Dieselbe Temperatur benötigt die Brut ĂŒber eine lĂ€ngere Zeit, um sich entwickeln zu können, des Weiteren ist diese Temperatur optimal fĂŒr die Wachsbearbeitung.

In einer Schwarmtraube betrĂ€gt die Kerntemperatur 35 °C, die Manteltemperatur schwankt mit der Außentemperatur. In der Wintertraube betrĂ€gt die Kerntemperatur 20 bis 22 °C.

Die optimale Außentemperatur zum Sammeln betrĂ€gt 22 bis 25 °C. Sie muss in jedem Fall niedriger sein als die zum Fliegen notwendige Körpertemperatur, da bei dieser Fortbewegung durch die relativ große Flugmuskulatur viel WĂ€rme entsteht, die abgefĂŒhrt werden muss.

Unterhalb etwa 7 bis 10 °C fallen Bienen in KÀltestarre, oberhalb von 38 °C begeben sie sich in Hitzeruhe.

Kurzzeitig verkraften Bienen Umgebungstemperaturen von annĂ€hernd 50 °C, ein Umstand, den die Östliche Honigbiene zur Verteidigung gegen die Asiatische Riesenhornisse nutzt, gegen die sie mit ihrem Stachel keine Chance hĂ€tte: Entdecken Bienen dieser Art in der Umgebung ihres Nestes eine SpĂ€herin, dann bilden mehrere Dutzend Bienen eine Kugel um die fliegende Hornisse und heizen diese durch heftige FlĂŒgelbewegungen auf ĂŒber 45 °C auf. Die SpĂ€herhornisse verkraftet dies nicht lange, verendet und kann nicht zu ihrem Volk zurĂŒckkehren, sodass die Bienen von einem Angriff verschont bleiben.

Regulationsmöglichkeiten in der Traube

In einer Schwarmtraube bilden die Ă€ußersten Bienen eine dachziegelartig deckende, isolierende Schicht. Ihre Körpertemperatur schwankt mit der Außentemperatur, ist aber immer um 2 bis 3 °C höher. Kurz vor dem Aufbruch einer Schwarmtraube weist auch der Mantel 35 °C auf. Bei der ĂŒblichen GrĂ¶ĂŸe einer Traube von einigen Tausend Tieren erzeugen die Bienen des Kerns in Ruhe mehr Energie, als sie fĂŒr die Aufrechterhaltung von 35 °C benötigen. Sie geben die ĂŒberschĂŒssige WĂ€rme an die Umgebung ab. Ohne grĂ¶ĂŸeren Energieaufwand steht der Schwarm in einem thermodynamischen Gleichgewicht mit seiner Umgebung. Wird der Kern zu heiß, strukturiert sich die Traube um: Es bilden sich starre Ketten von Bienen, die zwischen sich Korridore freilassen, in welchen Bienen aus dem ĂŒberhitzten Kern nach außen laufen und kĂŒhlere Bienen vom Mantel nach innen. Die Korridore erleichtern auch die Luftzirkulation. Sinkt die Mantel-Temperatur auf einen kritischen Wert (13 bis 17 °C), erzeugen die Mantelbienen durch Muskelzittern WĂ€rme, so dass ihre Körpertemperatur bei niedrigeren Außentemperaturen nicht weiter absinken kann. Gleichzeitig kriechen sie nach innen und schließen damit die Korridore.

Bei niedrigen Außentemperaturen ist der Schwarm dicht und kompakt, bei höheren lockert er sich auf, um eine Überhitzung zu vermeiden.

Kernbienen werden passiv erwÀrmt, Mantelbienen erzeugen WÀrme durch Muskelzittern. Die Regulation der TemperaturverhÀltnisse im Schwarm erfolgt ohne Kommunikationssystem. Die Individuen verhalten sich unabhÀngig voneinander und ohne Kenntnis der Temperatur an einer anderen Stelle im Schwarm.

Die Temperaturregulation in der Wintertraube erfolgt im Prinzip auf die gleiche Weise.

Regulationsmöglichkeiten im Nest

AbkĂŒhlung des Nestes

Im FrĂŒhling und Sommer muss im Bienenstock eine Temperatur zwischen 32 und 36 °C aufrechterhalten werden. Wird es im Stock zu heiß, verlĂ€sst ein Teil der Arbeiterinnen den Bau, wodurch im Stock weniger WĂ€rme entsteht. ZusĂ€tzlich fĂ€chern sie vor dem Eingang mit ihrem FlĂŒgelschlag die heiße Luft aus dem Stock, es entsteht ein kĂŒhlender Luftstrom. Zudem können Sammelbienen Wassertröpfchen auf die Waben verteilen, die Verdunstung kĂŒhlt ebenfalls die Luft im Stock ab.

AufwÀrmung des Nestes

Unterhalb von 30 °C stirbt die Brut ab oder schlĂŒpft mit EntwicklungsschĂ€den. Droht eine AbkĂŒhlung, drĂ€ngen sich die Stockbienen bei der Brut zusammen oder schlĂŒpfen in eigens freigelassene Zellen zwischen den Brutzellen und erhöhen durch Muskelzittern die Temperatur. Im Winter betrĂ€gt die Temperatur im Bienenstock um die 20 °C. Wenn es zu kalt wird, bilden die Insekten mit ihren Körpern eine sogenannte Wintertraube und wĂ€rmen sich gegenseitig.

Verteidigung

In erster Linie wird der Stachel zur Verteidigung gegen andere Insekten eingesetzt, in deren nicht elastischem Chitinpanzer sich seine Widerhaken nicht verfangen. Beim Menschen oder anderen Wirbeltieren bleibt der Stachel durch die Widerhaken jedoch in der elastischen Oberhaut stecken, weswegen die Biene ihn, anders als zum Beispiel Wespen, nicht oder nur selten wieder herausziehen kann. Ihr kompletter Stechapparat inklusive Giftblase wird deswegen beim Wegfliegen aus dem Hinterleib gerissen, was fĂŒr die Biene eine tödliche Verletzung bedeutet. Der so herausgerissene Stechapparat pumpt ĂŒber den Stachel weiteres Bienengift in den Körper des Feindes. Des Weiteren setzt die Biene in dem Moment, in dem sie ihren Stachel einbĂŒĂŸt, ein Alarmpheromon frei. Dies kann in der NĂ€he des Bienenstocks weitere Artgenossinnen auf den Plan rufen, die ihrerseits den Feind angreifen. Sie stechen bevorzugt an die gleiche Stelle, dort, wo das Alarmpheromon am stĂ€rksten konzentriert ist, hĂ€ufig aber auch in Gesicht und Kopf, wenn Augenpartie oder dunkle Haare fĂŒr sie zu erkennen sind.cite-ref-41[41] Deshalb sollte man sich in einem solchen Fall zĂŒgig von den Bienenstöcken entfernen. Imker vermeiden bei der Arbeit an den Bienenvölkern diese Gefahr, indem sie Rauch erzeugen. Da die Bienen dann ein Feuer erwarten, machen sich viele bereit, den Stock zu verlassen, indem sie Honig aufnehmen, was sie wiederum ablenkt. Auch mittels Imker-Schleier und heller, abschließender Kleidung sowie dem Verzicht auf Deodorant, Shampoo und Parfum (manche Inhaltsstoffe können Bienen aggressiv machen), kann man Stichen entgegenwirken.

Die bei einem Stich eingespritzte Giftmenge wird mit 0,1 mg angegeben.cite-ref-42[42] TodesfÀlle durch Bienenstiche sind selten, kommen aber vor. In Deutschland sind 20 bis 30 Tote im Jahr zu erwarten.cite-ref-43[43]

Umgang

In unmittelbarer NĂ€he von Honigbienen-Weibchen ist es geboten, sich ruhig zu verhalten, um nicht angegriffen bzw. gestochen zu werden, und keine hektischen Bewegungen zu machen. Die Tiere stechen nur, wenn sie sich oder ihr Nest unmittelbar bedroht oder angegriffen sehen. Weibchen, die im Garten beispielsweise auf BlĂŒtenbesuch sind, um Nektar oder Pollen zu sammeln, sind keinesfalls aggressiv. Ein ruhiger Summton und langsames Herumfliegen von BlĂŒte zu BlĂŒte signalisiert „gute Laune“, ein hochfrequentes, „schrilles“ Summen sowie nervöses Zickzackfliegen zeigt ein misstrauisches und verteidigungsbereites Tier. Selbst wenn ein Weibchen auf der Haut eines Menschen landet, sondiert sie nur ihre Umgebung und beabsichtigt in der Regel keinen Stich – im Gegensatz z. B. zu weiblichen StechmĂŒcken, die Blut saugen, um Eier produzieren zu können. Im Falle eines Honigbienenstichs lautet die Empfehlung, den Stachel ruhig mit dem Daumennagel hinauszuschieben und den Stichbereich zu kĂŒhlen.cite-ref-44[44]

Eine einzelne Biene, eingeschlossen in einem Zimmer, lĂ€sst sich mit bloßer Hand aus dem Zimmer tragen, wenn man nicht versucht, sie einzufangen, sondern sich ihr stattdessen langsam nĂ€hert und sie auf die Hand krabbeln lĂ€sst. Sollte die Biene dabei Anzeichen von Unruhe anzeigen, sollte man stehen bleiben, sich nicht bewegen und die Aktion kurzzeitig unterbrechen.

Eine weitere einfache Methode, Bienen (oder andere Insekten) einzufangen und aus einem Raum zu transportieren, geschieht mit Hilfe einer leeren Streichholzschachtel: Diese wird zu zwei Dritteln aufgeschoben und dann mit der Öffnung ĂŒber das zu fangende Insekt gestĂŒlpt. Daraufhin kann man die Schachtel langsam zuschieben, wodurch das Insekt in die Schachtel geschoben wird. Dann kann man es hinaustragen und dort freilassen. Man kann auch ein Trinkglas ĂŒber die Biene stĂŒlpen, dann vorsichtig ein Blatt Papier darunterschieben und so anschließend nach draußen bringen.

Ein Bienenschwarm, der sich im Garten an einem Baum o. Ä. niederlĂ€sst, ist in der Regel friedfertig und neigt ĂŒberhaupt nicht zum Stechen. Selbst im Augenblick der Ankunft, wenn sich also eine Wolke von bis zu 25.000 Bienen nĂ€hert, besteht kaum Gefahr; man kann einen solchen Schwarm aus der NĂ€he beobachten, muss allerdings damit rechnen, als Lande- oder kurzzeitiger Ruheplatz von einzelnen Bienen auserkoren zu werden. Sinnvoll ist es, so bald wie möglich einen Imker zu verstĂ€ndigen, der den Bienenschwarm einfĂ€ngt. Wo kein Imker bekannt ist, helfen Feuerwehr, Polizei, Stadtverwaltung oder Umweltamt, die Kontakte zu Imkern unterhalten, weiter. Der Imker darf in Deutschland bei der Verfolgung seines Bienenschwarms auch fremde GrundstĂŒcke betreten (§ 962 BGB).

Krankheiten und SchÀdlinge

Die Krankheiten der Honigbiene werden durch Parasiten, Bakterien, Viren oder Pilze verursacht. Bienenkrankheiten lassen sich grob einteilen in Krankheiten der erwachsenen Biene und Brutkrankheiten. Daneben gibt es eine Reihe von SchĂ€dlingen, die zu Befallsymptomen wie Beunruhigung des Volkes, WĂ€rmeverlust, Futtermangel und KrankheitsanfĂ€lligkeit fĂŒhren können.

Derzeit sind 22 Honigbienenviren bekannt.cite-ref-deformed-wing-virus-45-0[45] Honigbienen können Viren wie z. B. das FlĂŒgeldeformationsvirus auf Wildbienen und Hummeln ĂŒbertragen.cite-ref-46[46]cite-ref-47[47]

Bedrohliche Krankheiten

Über die Krankheiten sind einzelne Artikel in der Liste von Bienenkrankheiten vorhanden. Deshalb werden sie hier nur als Übersicht aufgelistet:

‱ Varroose – ein Parasitenbefall, der in der Imkerei ohne Behandlung zum Zusammenbruch der Bienenvölker fĂŒhrt
‱ Nosemose – eine gefĂ€hrliche Darmerkrankung
‱ Amerikanische und EuropĂ€ische Faulbrut – zwei unterschiedliche und auch unterschiedlich gefĂ€hrliche Bakterienarten (anzeigepflichtig)
‱ Kalkbrut – eine Pilzerkrankung
‱ Sackbrut – Absterben der Larven
‱ Colony Collapse Disorder – es ist noch nicht geklĂ€rt, ob es sich hierbei ĂŒberhaupt nur um eine Krankheit handelt, siehe auch „Massensterben“ weiter unten.

Massensterben – CCD

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Hauptartikel

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Colony Collapse Disorder

Im FrĂŒhjahr des Jahres 2007 hĂ€uften sich die Berichte, vor allem aus den Vereinigten Staaten, dass in manchen Bundesstaaten bei den Honigbienen ein Massensterben stattgefunden hat. Betroffen waren bis zu 80 %cite-ref-48[48] der Bienenvölker, manche Imkereien meldeten sogar Totalverlust. Die GrĂŒnde sind bislang noch nicht geklĂ€rt. Zu starken Verlusten kam es auch in Mecklenburg-Vorpommern und Jahre davor in anderen Teilen von Deutschland und 2003 auch in Frankreich. Ein typisches Symptom ist, dass sich die Völker kahlfliegen, d. h., die Sammelbienen kehren nicht in den Stock zurĂŒck. Die unversorgten Jungbienen mit der Königin und der Brut sterben dann ab. Im Darm der Bienen finden sich alle Arten von Krankheitserregern, so dass u. a. vermutet wird, dass das Immunsystem der Bienen zusammengebrochen ist.

Ein drastischer Fall von Bienensterben mit 11.500 betroffenen Bienenvölkern ereignete sich auch im FrĂŒhsommer 2008 im Rheintal. Hierbei konnte eindeutig als Ursache die Vergiftung durch ein Insektizid aus der Gruppe der Neonicotinoide nachgewiesen werden. Es wird gerade in Imkerkreisen vermutet,cite-ref-49[49]cite-ref-50[50] dass diese fĂŒr Insekten hochgiftige Stoffgruppe relativ neuer, moderner SchĂ€dlingsbekĂ€mpfungsmittel hĂ€ufig einen sehr negativen Einfluss auf die VitalitĂ€t von Bienenvölkern hat. Insbesondere in Kombination mit anderen Belastungen wie z. B. Nosemose oder Varroose kann es dann viel leichter zu VölkerzusammenbrĂŒchen kommen. Durch die EU-Kommission wurden einige Neonicotinoide fĂŒr gewisse Zeit verboten, um zu beobachten, ob sich dadurch die Situation der Bienenvölker verbessert.cite-ref-51[51]

Ein Team um Lena Wilfert, die damals an der University of Exeter (Großbritannien) tĂ€tig war, hat das Genom des Deformed wing virus (DWV), eines von 22 bekannten Honigbienen-Viren, untersucht und kam zu dem Schluss, dass sich das Virus im 20. Jahrhundert von Europa aus verbreitet hat. Es wird ein Zusammenhang zwischen der CCD und dem DWV vermutet.cite-ref-deformed-wing-virus-45-1[45]

Neuere Ergebnisse deuten darauf hin, dass möglicherweise der Anstieg von Kohlenstoffdioxid in der ErdatmosphĂ€re durch die Verbrennung fossiler EnergietrĂ€ger Bienensterben begĂŒnstigt. Höhere CO2-Konzentrationen in der AtmosphĂ€re fĂŒhren bei vielen Nutzpflanzenarten zu einem RĂŒckgang der Proteinwerte und damit des NĂ€hrwertes, was auch fĂŒr bestimmte wichtige Pollenlieferanten wie z. B. die Kanadische Goldrute zutrifft. Bei diesem wurden infolge des CO2-Anstiegs von 280 auf 398 ppm zwischen 1842 und 2014 ProteinrĂŒckgĂ€nge von rund einem Drittel festgestellt; dass der CO2-Anstieg ursĂ€chlich war, wurde anschließend im Labor durch Tests mit verschiedenen CO2-Levels zwischen 280 und 500 ppm experimentell bestĂ€tigt. Da Pollen der einzige Proteinlieferant fĂŒr Bienen sind, kann dies die Gesundheit von Bienen schwĂ€chen und zum Absterben von Völkern fĂŒhren.cite-ref-52[52]

Wissenschaftliche Forschung

Aufgrund der Bedeutung der Honigbienen sind die Bienen Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Die Bienenkunde (lat. Apidologie) beschĂ€ftigt sich mit der Insektengruppe der Honigbienen und speziell ihren Funktionen als BestĂ€uber von Nutzpflanzen und ihrer Direktnutzung durch die Gewinnung von Bienenhonig. Forschungsabteilungen dazu gibt es an mehreren deutschen und österreichischen UniversitĂ€ten, zum Teil mit der Einrichtung von LehrstĂŒhlen wie in Frankfurt am Main, Halle, Jena und Linz. Forschung findet auch an verschiedenen Landesanstalten fĂŒr Bienenkunde in Deutschland statt, wie etwa der Bayerischen Landesanstalt fĂŒr Weinbau und Gartenbau oder der Landesanstalt fĂŒr Bienenkunde an der UniversitĂ€t Hohenheim in Baden-WĂŒrttemberg. In Österreich betreibt das Bundesamt und Forschungszentrum fĂŒr Landwirtschaft (BFL) das Institut fĂŒr Bienenkunde. Ein Institut fĂŒr Bienengesundheit besteht an der UniversitĂ€t Bern.

Genom

Das nahezu vollstĂ€ndige Genom der Westlichen Honigbiene wurde mittlerweile zu ca. 90 % sequenziert und besteht nach Angaben der Forscher aus 12.398 Genen mit rund 238 Millionen Basenpaaren.cite-ref-53[53] Das Genom des Menschen ist etwa zehnmal grĂ¶ĂŸer.cite-ref-54[54] Bei der Entzifferung der Gensequenz konnten auch Anlagen fĂŒr 163 chemische Geruchs-Rezeptoren, aber nur fĂŒr 10 Geschmacksrezeptoren gefunden werden. Neben der Entdeckung neuer Gene fĂŒr die Nutzung von Pollen und Nektar wurde festgestellt, dass die Westliche Honigbiene im Vergleich zu vielen anderen Insekten weniger Gene fĂŒr angeborene ImmunitĂ€t, Entgiftung und Bildung der Cuticula besitzt.cite-ref-55[55]

Auf Grund populationsgenetischer Analysen wird Afrika als ursprĂŒngliche Heimat der Westlichen Honigbiene angesehen und gefolgert, dass ihre Ausbreitung nach Europa in zwei voneinander unabhĂ€ngigen Wanderungen geschehen sein muss.cite-ref-56[56] Die genetische DiversitĂ€t der afrikanischen Bienen ist dadurch höher als diejenige der europĂ€ischen.

Bienen im Recht

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Bienenrecht

In Deutschland hat das heutige Bienenrecht eine lange Tradition und ist im BGB verankert. Die Regelungen im österreichischen ABGB gehen zum Teil auf das Jahr 1812 zurĂŒck.

In den österreichischen BundeslĂ€ndern Wien, Niederösterreich, Steiermark und KĂ€rnten ist grundsĂ€tzlich nur die Haltung oder Zucht von KĂ€rntner Bienen mit ihr zugehörigen StĂ€mmen und Linien zulĂ€ssig. Die Haltung anderer „reinrassiger“ Bienen bedarf dort einer Genehmigung.cite-ref-57[57]

Bienen in der Heraldik

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Biene (Wappentier)

Die florentinische Familie Barberini trug Bienen im Wappen, ebenso der aus ihren Reihen stammende Papst Urban VIII. Napoleon Bonaparte hat die Biene im Wappen vielen StĂ€dten als Auszeichnung (Bonne ville de l’Empire français) zukommen lassen.

Symbolische Deutung

Als Inbegriff des Fleißes wird die Biene als Symbol vielfach verwendet; zum Teil wird statt der Biene auch auf das Bienenkorb-Symbol (beispielsweise als Spardose) oder die typische Wabenstruktur zurĂŒckgegriffen.

Aufgrund antiker Vorstellungen von der nicht-sexuellen Vermehrung der Honigbienen konnten sie in christlicher Literatur zum verbreiteten Bild fĂŒr religiös motivierte Sexualaskese werden.cite-ref-58[58]

Siehe auch
Videos

Das Institut fĂŒr Bienenkunde (Oberursel) hat achtzehn hochauflösende Videos unter freier Lizenz im Anhang einer Fachveröffentlichung publiziert, in denen das Verhalten von Honigbienen im Inneren der Zellen ihrer Waben dokumentiert wird, siehe: Paul Siefert, Nastasya Buling und Bernd GrĂŒnewald: Honey bee behaviours within the hive: Insights from long-term video analysis. In: PLoS ONE. Band 16, Nr. 3, 2021, e0247323, doi:10.1371/journal.pone.0247323.

Literatur

‱ Ralph Dutli: Das Lied vom Honig. Eine Kulturgeschichte der Biene. Wallstein-Verlag, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-0972-2.
‱ Guido Fackler, Michaela Fenske, Franziska Gleichauf (Hrsg.): Aus der Wabe in die Welt: Biene macht Kultur. (= Katalog der gleichnamigen Ausstellung im Lab 13 auf der Landesgartenschau WĂŒrzburg 2018 / Schriften und Materialien der WĂŒrzburger Museologie, Heft 6). Julius-Maximilians-UniversitĂ€t WĂŒrzburg, WĂŒrzburg 2018, ISSN 2197-4667 (PDF).
‱ Karl von Frisch: "Sprache" und Orientierung der Bienen. 5. Gedenkvorlesung, 19. November 1960. 2., ergĂ€nzte Auflage. Huber, Bern / Stuttgart 1964.
‱ Randolf Menzel, Matthias Eckoldt: Die Intelligenz der Bienen. Knaus, MĂŒnchen 2016, ISBN 978-3-8135-0665-5.
‱ Friedrich Ruttner: Naturgeschichte der Honigbienen. Kosmos, Stuttgart 1992, ISBN 3-440-09477-4.
‱ Thomas Dyer Seeley: Bienendemokratie: Wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon lernen können. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-596-19407-0.
‱ Thomas Dyer Seeley: Honigbienen. Im Mikrokosmos Des Bienenstocks. Springer Basel, Basel 2012, ISBN 978-3-0348-7834-0.
‱ Ulrich Sommermann: Körperbau der Westlichen Honigbiene. In ArbeitsblĂ€tter Insekten. Klett, Stuttgart 1989, ISBN 3-12-030920-6.
‱ Armin SpĂŒrgin: Die Honigbiene. Vom Bienenstaat zur Imkerei. 5. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-7848-3.
‱ JĂŒrgen Tautz: PhĂ€nomen Honigbiene. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-8274-1845-6.
‱ JĂŒrgen Tautz, Diedrich Steen: Die Honigfabrik. Die Wunderwelt der Bienen – eine Betriebsbesichtigung. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2017, ISBN 978-3-579-08669-9.
‱ Michael Weiler: Der Mensch und die Bienen. Betrachtungen zu den LebensĂ€ußerungen des BIEN. Sonderdruck, UnverĂ€nderter Nachdruck der 2., erweiterten Auflage. Verlag Lebendige Erde, Darmstadt 2003, ISBN 3-921536-60-X.
‱ Karl Weiß: Bienen und Bienenvölker. Beck, MĂŒnchen 1997, ISBN 3-406-41867-8.

Weblinks

Commons

: Westliche Honigbiene

– Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Bayerische Landesanstalt fĂŒr Wald und Forstwirtschaft: Wie Waldbesitzer der Honigbiene helfen können. Auf: waldwissen.net vom 14. August 2013; zuletzt abgerufen am 10. MĂ€rz 2021.
‱ Technischen Informationsbibliothek (TIB) – AV-Portal: Videos zu Apis mellifera herausgegeben vom Institut fĂŒr den Wissenschaftlichen Film Auf: av.tib.eu; zuletzt abgerufen am 10. MĂ€rz 2021.

Einzelnachweise

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cite-note-5757. ↑ siehe z. B. §7 (1) Wiener Gesetz ĂŒber die Haltung und Zucht von Bienen (https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrW&Gesetzesnummer=20000408)
cite-note-5858. ↑ Meinolf Schumacher: Majas Ahnfrauen? Über Bienen in der mittelalterlichen Literatur. In: Bonsels’ Tierleben. Insekten und Kriechtiere in Kinder- und Jugendmedien, hrsg. von Petra Josting u. Sebastian Schmideler. Schneider, Baltmannsweiler 2015, ISBN 978-3-8340-1518-1, S. 293–308, hier S. 302–306 (Digitalisat).